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30 Jahre Partisan Petrinum am 18.9.1999 - Ein Vortrag

Meine sehr verehrten Damen und Herren – liebe Sportsfreunde!

30 Jahre Partisan Petrinum! Welch ein Datum! Was soll man dazu sagen? Muss man überhaupt über diese ruhmreiche Mannschaft noch viele Worte verlieren? Ich will es dennoch wieder einmal versuchen, obwohl das Reden über Partisan [...] sehr schwierig ist: Es ist über diese Lehrermannschaft ja schon viel geschrieben worden: vor 5 Jahren etwa – zur 25. Jahresfeier – gab es eigens eine 70-seitige Broschüre, in der Ortwin Redeker alles Wissenswerte aufgeschrieben hatte. Und so viele neue Entwicklungen gibt es bei uns nicht, denn eigentlich spielen wir ja nur Fußball, d.h. in letzter Zeit reden wir genauso viel über Fußball, wie wir ihn spielen. [...] Ich werde Ihnen nun über zwei immer wieder gestellte Fragen Auskunft geben.

  1. Was treiben die Partisanen so über das Jahr?
  2. Wie ist die innere Struktur dieses Vereins?

Zu 1:

Nun, ich möchte in erster Linie sagen: Streiten! Aber nicht, wie der Name »Partisan« es nahelegt, als freiheitsliebende Verteidiger der Heimat gegen ein reguläres Heer oder gegen eine feindliche Okkupationsmacht (also z.B. als aufrechte Gymnasiallehrer gegen Brigitte Schumann und Gabriele Behler). Nein! Wir streiten untereinander! Und Streitanlässe gibt es genug! Allein die Frage, ob – und wenn ja, wie lange – im Winterhalbjahr draußen gespielt werden soll, ist Quelle langanhaltender und erregter Diskussionen. Da (weil die Kehlen dabei austrocknen und entsprechend viel getrunken werden muss) freut sich – wie immer, wenn sich welche streiten – ein Dritter: der Wirt des Kolpinghauses. Auch die Frage, mit welcher Aufstellung wir bei den verschiedenen Turnieren oder Begegnungen auflaufen sollten, ist ein Problem, das auch in den nächsten 30 Jahren nicht entschieden sein wird. Es kann dabei sogar vorkommen, dass Pädagogen, ganz im Sinne des Humanismus und als Vorbild für die Jugend, schon mal eine Turnierstätte verlassen – nur zum Anschein wutentbrannt – aber eigentlich, um auch den anderen Mannschaftskameraden das Spielen zu ermöglichen. Ich persönlich könnte mich schon jeden Montag nach der Wahl der Mannschaften streiten, weil diese Wahl insofern völlig belanglos ist, als dass die Zuspätkommenden jedes Gleichgewicht zwischen den Spielstärken der Mannschaften zerstören und ich dann mit meiner Mannschaft immer verliere.

In zweiter Linie organisieren die Partisanen Fußball-Turniere. Z.B. das legendäre Josef-Reike-Pokal-Turnier, das dieses Jahr die 22. Auflage erleben wird.

 

Die Mannschaft von Partisan Petrinum

Alle Partisanen haben ein- bis zweimal im Jahr große Angst. Dann nämlich, wenn Tommy Wyrwoll in den Skiurlaub fährt und in eine Nebelwand gerät. Dann kommt er nämlich mit neuen Organisationsideen und Strukturskizzen zurück, die mühsam (z.T. mit Bierdeckeln) nachvollzogen werden müssen und natürlich wieder Anlass zum Streit geben. Andererseits sind wir dann auch mal intellektuell gefordert. Stricken Sie sich zum Beispiel mal ein Fußballturnier, das folgenden Bedingungen genügt:»Es nehmen 19 Mannschaften teil, jede Mannschaft soll mindestens viermal spielen, die älteren Mannschaften sollen möglichst spät auf die jüngeren Mannschaften treffen, das Ganze darf nicht mehr als sechs Stunden dauern!«

Ein Höhepunkt jeden Jahres ist das Spiel gegen die alten Herren vom VfL Ramsdorf. Allerdings haben sich im Verlaufe der Jahrzehnte die Verhältnisse umgekehrt: Zumeist sehen wir sehr alt aus, während die Ramsdorfer mit jugendlicher Frische und gleichsam »partisanenhaft« jeden Zentimeter ihres Heimatbodens verteidigen. Die Zeiten, als Wolfgang Kindler in seiner Hymne auf RE-DE-KA (sic) formulierte:»Auch Ramsdorfs rasende Rotte zerbrach « an der köstlichen Kunst kluger Abwehr. Zu null Geschlagen » im trauernden Bus « rauschte sie Ratlos der klagenden Heimat entgegen, doch auch stolz. Ist denn nicht Ortwin, der Rotgelockte, von ihrem Blute, entsprossen ihrer Stadt? Aber diese Zeiten sind längst vorbei.

(a propos: Dieses Zitat ist ein gutes Beispiel für die Wirkungsgeschichte von Texten! Hölderlins Gedicht über Hyperion veranlasste Eckhard Henscheid, eine Hymne auf den großen koreanischen Fußballspieler Bum-Kun-Cha zu schreiben, welche Wolfgang Kindler als Hymne auf Ortwin Redeker umformulierte. Sie merken, selbst also das Wissen von der literarischen Sorte ist keineswegs unnützer Ballast – wenigstens nicht für Fußballspieler!)

Wir halten es gegen Ramsdorf jetzt mehr mit Thomas Häßler, der nach einem Spiel in Bremen einmal formulierte: (Zitat) »Wir wollten kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum Gegentor gut geklappt«, oder wir halten es mit Marco Rehmer, der nach einem Auswärtsspiel sagte: (Zitat) »Wir sind hierher gefahren und haben gesagt: Okay, wenn wir verlieren, fahren wir wieder nach Hause«, oder mit Richard Golz, der meinte (Zitat) »Ich habe nie an unserer Chancenlosigkeit gezweifelt«, oder auch mit Lothar Matthäus, diesem ehrlosen fränkischen Grinser, der – wie immer unnachahmlich – forderte: (Zitat) »Es ist wichtig, dass man neunzig Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt!«

Zu 2:

Wie ist die innere Struktur dieses Vereins? Nun: »Partisan petrinum est omne divisum in partes tres, quarum una admiratur Borussiam Dortmund, altera VfL Bochum, tertiam eam societatem, quae ipsius lingua regina pedifollii, vulgo autem Schalke 04 appellatur.«

Die Dortmunder Fans, das sind (mehr oder weniger) Jens Korte, Jürgen Kreis, Burkhardt Müller, Pitt Pieper, Klaus Rosenbaum, Wolle Schoenenberg, Jürgen Schürmann und Volker Simon. Alle – besonders aber Klaus Rosenbaum – werden von ihrer fußballerischen Grundhaltung äußerst präzise beschrieben durch den legendären Spruch des Hans Krankl: (Zitat) »Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär!«

Die Anhänger des VfL Bochum sind Christoph Warmbrunn, Wolfgang Kindler, Ludger Linneborn und Theo B. Schulte Coerne, der letztere wird zentimetergenau erfasst durch eine Selbstbeschreibung von Jürgen Kurbjuhn: (Zitat) »Wenn ich nicht will, lauf’ ich im Spiel nicht mehr als einen Kilometer und da ist der Weg von und zur Kabine auch schon drin.« (Sie merken übrigens, dass unser Kaiser Franz Beckenbauer auch nur ein Plagiator ist. Vergleichen Sie mal seinen Werbespruch »Und die Grundgebühr ist auch schon drin« mit diesem Satz des alten HSV-Spielers Kurbjuhn »und da ist der Weg von und zur Kabine auch schon drin«!)

Die Schalker Fans – übrigens vor fünf Jahren in unserer Festwoche durch die Dichterlesung von Hans Jürgen Baroth schwer beleidigt, da er über diesen Verein urteilte, er sei ein Beweis dafür, dass Verbrechen sich lohnen! – sind Alfons Breloer, Ernst Dittke, Georg Guballa, Andreas Güntner, Dr. (sic) Wolfgang Konarski, Gerd Krämer und Tommy Wyrwoll (Dietmar X). Unter diesen Partisanen finden sich viele Kämpfertypen (der Spruch von Lothar Matthäus (Zitat) »Ein Lothar Matthäus lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal« trifft sinngemäß z.B. auf Andreas Güntner oder Tommy Wyrwoll zu), es finden sich aber auch viele Lebenskünstler. Der englische Fußballspieler George Best (genial am Ball, aber lauffaul) muss übrigens Konni Konarski gekannt haben, zumindest trifft ein Zitat von George Best passgenau auf Konni zu: (Zitat) »Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich verprasst.«

»Partisan petrinum est omne divisum in partes tres«? Wirklich? Nein! Lassen Sie es mich einmal auf Griechisch sagen: ennioi idiotai yparchousin: Es gibt (natürlich) einige Sonderlinge! Also solche, die entweder keinem speziellen Verein huldigen (wie z.B. Jupp Böcker, Bernd Brosthaus, Erhard Hermes, Wolgang Hettwer, Peter Kaschel, Karl-Heinz Larsen, Dr. Franz-Josef-Schulte-Althoff, Robert Wierschem) oder merkwürdige Vorlieben haben wie Hans Wiese, der die »Fahrstulldrubbe« des 1. FC. Nürnbergs verehrt, oder Ortwin Redeker, der im Grunde genommen für den Verein ist, der von Otto Rehhagel trainiert wird, oder Typen wie Berthold Kalverkamp und Joachim van Eickels, die explizite Fans des 1. FC Köln sind. Insbesondere der katholische Schulseelsorger Joachim van Eickels, ein emphatischer Gesprächstherapeut, wird durch ein Zitat von Toni Schumacher, dem großen FC-Köln-Torwart, beschrieben, der nach seinem berühmt-berüchtigten Foul an Battiston sagte: (Zitat) »Seither bemühe ich mich, bei jeder leichten Berührung, bei jedem Zusammenstoß, bei jedem Foul im Gegner zuerst den Menschen zu sehen.«

Ich komme zum Schluss und frage mich und Sie: »Wie sehen die nächsten 30 Jahre Partisan Petrinum aus?« Ich glaube, wir wissen es nicht! Aber auch auf diese Frage gibt es schon eine berühmte Fußballer-Auskunft, diese hat Jens Jeremies gegeben: (Zitat) »Das ist Schnee von morgen!«

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Ludger Linneborn