Bär oder Pavian? – Szenisches Spiel der Deutschkurse Ef

28. Mar 2026 Zurück zu Aktuelles

„Stellt euch einen Zoo vor. / Einen Zoo vor vielen Jahren. / Einen Schwarzweißfotozoo…“ Im Rahmen des Deutschunterrichts lasen zwei Kurse der Stufe Ef das 2014 uraufgeführte Drama „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ von Jens Raschke. Aus der Perspektive von Zootieren nahe eines Konzentrationslagers thematisiert das Stück durch die Ankunft eines neugierigen Bären bei Unrecht hinzusehen, Mitgefühl gegenüber Schwachen zu zeigen, Zivilcourage zu leben. Gleichzeitig agieren Figuren wie Papa Pavian, Oberhaupt des Zoos, im Sinne einer Kultur des Wegsehens, um sich selbst und sein gut eingerichtetes Leben zu schützen, aus Sorge vor Konsequenzen und aus Angst vor eigener Courage. Durch den Zaun beobachten Mufflons, Paviane und Murmeltiere das Grauen des Konzentrationslagers, den gnadenlosen Umgang der „Gestiefelten“ (SS-Wachmannschaften) mit den Gestreiften (Häftlinge, NS-Verfolgte), sehen deren Leiden, Verzweiflung und den menschenverachtenden Umgang der Täter. Aber es stellt schon lange niemand mehr Fragen über die „eigenartigen Vorgänge“ bei den Menschen: „Wo sind alle Vögel hin?“, „Was hat es mit dem qualmenden Schornstein auf sich?“, erkundigt sich immer wieder der neugierige und mitfühlende Bär und wird vom Pavian eingeschüchtert, während die anderen Tiere dies rückratlos geschehen lassen. Doch in der Szene „Pelzkorken“, die die beiden Deutschkurse der Ef in einem szenischen Spiel auf die Aulabühne brachten, wird klar: Der Bär sieht nicht weg und beschließt – trotz aller Warnungen des Pavians – ein mutiges Zeichen gegen Unrecht an Menschen zu setzen.

Während der Bär also ganz genau hinschaut und handelt, schaut der Pavian lieber weg: Wer wärest du, Bär oder Pavian? …und wie leicht träfest du diese Entscheidung?

Von: Gesa Sebbel