„Außer dem Leben können sie Dir ja nichts nehmen“ – Ehepaar van Ahlen liest aus dem Briefwechsel des Ehepaars Helmuth James und Freya von Moltke im LK Geschichte Q2

05. Sep 2026 Zurück zu Aktuelles

Berlin Tegel im Herbst 1944: Dort wartet der 37-jährige Widerstandskämpfer Helmuth James von Moltke auf seinen Prozess vor dem Volksgerichtshof, dessen Urteil schon feststehen wird: James‘ Hinrichtung wegen Hochverrats. Denn der Jurist hatte im sog. „Kreisauer Kreis“ mit anderen kritisch Denkenden Fragen aus Politik und Gesellschaft erörtert und Alternativen zum Nationalsozialismus, gleich einer Neugründung Deutschlands auf liberaler und christlicher Basis erwogen – ein Diskurs, den das NS-Regime mit aller Härte verfolgte und bestrafte. Der Leistungskurs Geschichte verfolgte am 03.09.26 ein außergewöhnliches Zeugnis Moltkes Inhaftierung, denn Sabine und Michael van Ahlen, allseits bekannt für ihre Lesungen, trugen die Abschiedsbriefe vor, die Helmuth an seine Frau Freya schrieb und die dank des Gefängnispfarrers Harald Poelchau unter Einsatz seines Lebens fast täglich an der Zensur vorbeigeschmuggelt wurden. Auf den ersten historischen Blick handelt es sich bei diesen Briefen also um eine höchst authentische Quelle, die eine klare Haltung gegen Faschismus und gegen Unmenschlichkeit zeigt und damit den schreienden Nazihorden und ihrer Menschenfeindlichkeit vielmehr Redlichkeit und moralisch gutes Handeln entgegensetzt. Auf den zweiten Blick handelt es sich um bewegende Liebesbriefe, die Mut, Zuneigung und Hingabe für den jeweils anderen zum Ausdruck bringen – unverkennbar und eindrücklich den Jugendlichen dargebracht von Ehepaar van Ahlen. Aus den Worten, denen der Kurs lauschte, sprachen besondere Emotionen. Denn schließlich geht es um einen Mann, der in Handschellen gefesselt den sicheren Tod erwartet, und eine Frau, die das Leben mit „den Söhnchen“ weiter wird bestreiten müssen, beide getragen von einem tiefen Glauben zu Gott und einem „Schatz“ dieser gemeinsamen Zeit, die sie einander nochmals sehr nahebrachte: „Wir hatten fast vier Monate, um Abschied voneinander zu nehmen […]. Der Höhepunkt unseres gemeinsamen Lebens – die schwerste Zeit unseres gemeinsamen Lebens“, wird es Freya von Moltke rückblickend formulieren. Am 23. Januar 1945 wird Helmuth James von Moltke in Berlin Plötzensee hingerichtet. Die Briefe wird Freya in ihren Bienenstöcken versteckt halten, sie bis zu ihrem Lebensende 2010 bei sich bewahren.

Sabine und Michael van Ahlen danken wir herzlich für ihre eindrückliche Lesung, die unserem Geschichtskurs zur Veranschaulichung der widerständischen Haltungen gegen den Nationalsozialismus einen berührenden Zugang geschaffen hat!

Von: Gesa Sebbel