Ein bewegender Tag in Auschwitz und Birkenau

02. Feb 2025 Zurück zu Aktuelles

Nur wenige Tage nach dem 27.01., dem „Internationalen Holocaustgedenktag und dem Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus“ besuchten die Petrinerinnen und Petriner die Gedenkstätte Ausschwitz-Birkenau. Vor 80 Jahren wurde das Konzentrationslager durch die Rote Armee befreit – der Ort, an dem zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen aus ganz Europa gequält, gefoltert und systematisch ermordet wurden. Der überwiegende Teil der Deportierten waren Menschen jüdischen Glaubens, dazu kamen etwa 140.000 Polen, Zehntausende Sinti und Roma sowie Tausende politische Häftlinge anderer Nationalität und der NS-Ideologie zufolge „Unangepasste“ wie „Berufsverbrecher“ oder Homosexuelle.

Ihre Gedanken an diesem grausamen und von Verbrechen gegen die Menschlichkeit durchtränkten Ort teilen zwei der Schülerinnen:

Am Mittwochmorgen haben wir uns auf den Weg nach Auschwitz gemacht. Dort wurden wir in zwei Gruppen durch das ehemalige Konzentrationslager geführt. Schon vorher hatten wir feststellen können, dass wir Respekt vor den uns dort erwartenden Eindrücken haben werden.

Während der Besichtigung, durften wir mehrere Blockhäuser im „Stammlager“ (Auschwitz I) betreten, in denen eindrucksvolle Ausstellungen zu sehen waren. Besonders emotional anspruchsvoll waren die damals beschlagnahmten persönlichen Gegenstände der ehemaligen Häftlinge – Berge von Schuhen, Koffern, Kilos von abgeschnittenen Haaren und berührende Fotoserien und Filme, die jüdisches Leben in Europa vor der Shoa zeigten. Durch den Besuch des dortigen ehemaligen Krematoriums, wurde die Grausamkeit der damaligen Ereignisse noch greifbarer. Zusätzlich haben die Erzählungen von Zeitzeugen, die uns ihre bewegenden Geschichten in Videoinstallationen schilderten, einen bleibenden Eindruck in unseren Köpfen hinterlassen. Besonders die Aussage „Ich habe nicht mal daran gedacht, meine Eltern oder meine Schwester mitzunehmen, als ich geflüchtet bin”, verdeutlicht die emotionale Ausnahmesituation der damaligen Häftlinge und hat uns selbst tief in unserem Inneren mitgenommen.

Anschließend fuhren wir weiter nach Birkenau, einem ungeheuer großen Lagergelände. Dort haben wir eine der Baracken besichtigt, in denen die 600 Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen lebten sowie ein Waschhaus, das nur rudimentär für die Häftlinge vorgesehen war und durch welches sie im Laufschritt durchgetrieben wurden. Besonders eindrucksvoll war der Besuch der verbliebenen Grundrisse des Lagerabschnittes „Kanada II“, wo damals geraubte Wertgegenstände der Gefangenen in ca. 30 Baracken gelagert wurden. Anhand von dem, was von den Gebäuden übriggeblieben ist, erinnerte der Bereich eher an einen Friedhof, mit ordentlich angeordneten Grundrissen. Der Rundgang endete mit den Überresten der zerstörten Krematorien 4 und 5 des Lagers, dessen Abscheulichkeit gerade durch die dort ausgestellten illegal gemachten Fotos verdeutlicht wurde: Sie zeigten die Verbrennung von Leichen unter freiem Himmel und bereits entkleidete Frauen, die im nächsten Moment vergast wurden.

„Dieser Ort sei allzeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit. Hier ermordeten die Nazis etwa anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Die meisten waren Juden aus den verschiedenen Ländern Europas.“ Diese eindringliche Mahnung war auf großen Bronzetafeln in 23 Sprachen im Boden des Mahnmals eingelassen, das über den Krematorien 2 und 3 errichtet wurde. So wie die Anzahl der Sprachen die Herkunftsländer der Häftling symbolisiert, so steht jeder der über eine Million verlegten Pflastersteine, aus denen das Mahnmal gefertigt ist, für einen der Ermordeten in Auschwitz-Birkenau.

Nach einem intensiven Tag fuhren wir zur Internationalen Jugendbegegnungsstätte, wo wir nach einem gemeinsamen Abendessen in eine Reflexionsrunde gingen, in der wir unsere Eindrücke verarbeiteten und darüber nachdachten, was diese beiden Lager für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bedeuten. Auch wenn die insgesamt knapp 6-stündige Führung eher schnell vorbei war, waren es doch sehr viele Informationen über einen kurzen Zeitraum. Als wir durch die Lager gegangen sind, konnten wir noch nicht richtig realisieren und verarbeiten, welche Grausamkeiten dort abgespielt haben und wie die schrecklichen und unmenschlichen Bedingungen für die Häftlinge gewesen sein müssen. So war der erneute Austausch unter uns Gleichaltrigen eine wichtige Gelegenheit, um das Gesehene und Gehörte zu verkraften.

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ Das Zitat von Primo Levi als Zeuge und Überlebender des Holocausts, interniert in Auschwitz von 1944 bis 1945, ist uns eindrücklich in Erinnerung geblieben: Wir müssen alles dafür tun, dass derartig Unmenschliches nie wieder einem Menschen angetan wird.

Von: Hannah Wagner (Q2), Matea Jonjic (Q2), Gesa Sebbel