Näher als man denkt: Spaziergang und Empfang in Bytom

02. Feb 2025 Zurück zu Aktuelles

„So viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Städten, das hatte ich nicht erwartet“, resümiert eine Schülerin, nachdem die Reisegruppe des Petrinum – ausgestattet mit kleinen Bytomer Geschenktüten –nach intensiven Tagen in Vlotho beim Gesamteuropäischen Studierendenwerk, Krakau und Auschwitz-Birkenau auf der Rückfahrt nach Deutschland der Recklinghäuser Partnerstadt Bytom einen Besuch abgestattet hatte. Doch berichtet sei der Reihe nach:

Bejahendes Nicken ist wiederholt bei den Petrinerinnen und Petrinern zu beobachten, als uns Jacek Maniecki, der unsere Gruppe am Freitag, 31.01.2025, durch Bytom führt, von den Entwicklungen seiner schlesischen Heimatstadt berichtet. Sei es die Anlage des Marktes, der wie in Recklinghausen das Herz der Stadt bildet, und an dem er uns auf die historische Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts hinweist, die uns mit ihren Giebeln und Stuckverzierten Fassaden sehr bekannt vorkommt. Sei es der Tadeusz Kosciuszko Platz, der bis heute Handelszentrum Bytoms ist und an dem seit 2010 ein modernes Einkaufszentrum entstanden ist, dessen Errichtung wiederum für einige Leerstände in der weiteren Innenstadt gesorgt hat. Sei es die Entwicklung Bytoms als Bergbaustadt seit dem 14. Jahrhundert, zunächst im Silber-, dann im Steinkohleabbau. Propagiert als „Kohle- und Stahlstadt“ sei die Stadt seit Mitte des 19 Jahrhunderts von dreitausend auf über einhunderttausend Einwohner zu einer Großstadt angewachsen, doch nach dem Zweiten Weltkrieg sei es zum Raubabbau von Steinkohle gekommen. Bergbauschäden und Zechenschließungen prägen bis heute die Region und die Stadt – durch das Absinken des Bodens ständen einige Häuser schief. Sei es aber auch die tragische Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Bytom, deren 1869 erbaute Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 zerstört und abgerissen wurde – wie die der jüdischen Gemeinde in Recklinghausen – und deren Gemeindemitglieder allesamt zu Opfern des Holocausts wurden. Sei es der Hinweis auf die Straßenbahnlinie Nr. 38, die als die Kürzeste in Polen gilt, seit 1913 in etwa das fast 100-jährige Gleisbett befährt – während aktuell die Rückkehr der Straßenbahn nach Recklinghausen diskutiert wird.

Empfangen wurden wir schließlich im Stadtamt von dem stellvertretenden Präsidenten Bytoms Adam Fras, der uns in seiner herzlichen Ansprache willkommen hieß. Er brachte seine Freude über unseren Besuch zum Ausdruck im Sinne der seit etwa 25 Jahren bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Bytom und Recklinghausen: „Der Partnerschaftsvertrag zwischen Bytom und Recklinghausen wurde am 15. Dezember 2000 in Bytom und dann am 13. März 2001 in Recklinghausen unterzeichnet. Das Abkommen sieht die Zusammenarbeit zwischen Städten in den Bereichen kommunale Verwaltung, Umweltschutz und Ökologie, Kultur und Bildung, wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung, soziale Fragen vor. Seit Jahren ermöglicht die urbane Zusammenarbeit den Bewohnern, Kontakte auf verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens zu knüpfen. Da Bytom und Recklinghausen eine sehr ähnliche postindustrielle Geschichte teilen, kooperieren sie in den Bereichen Kultur, Bildung, Sport und Wirtschaft. Viele Jahre Kontakte zwischen den lokalen Gemeinden Bytom und Recklinghausen, auch aus der Zwischenkriegszeit, sind mit der starken Entwicklung der Regionen Ruhr und Schlesien verbunden. Dank der Zusammenarbeit der Städte war es möglich, Kinder und Schulkinder zwischen den Schulen beider Städte auszutauschen, die Teilnahme von Schülern aus den Schulen aus Recklinghausen an den Praktiken der Bytom-Institutionen.“ (übersetzter Auszug aus am Ankündigungstext der Bytomer Stadthomepage).

Von: Gesa Sebbel