Die von dem ehemaligen Petriner Erich Cosmann (Abitur 1903) überlieferte Äußerung, die er anlässlich seiner Vorladung durch die Gestapo, die politische Polizei des NS-Regimes, tätigte, lässt die Achtklässler einen Moment innehalten, denn sie haben soeben sein weiteres Schicksal recherchiert: Erich Cosmann wählte am 14.11.1942 die Flucht in den Tod. Bereits die unmenschlichen und grausamen Behandlungsweisen in der Reichspogromnacht 1938 und seine Inhaftierung im KZ Buchenwald hatten ihm jede Hoffnung auf ein unversehrtes Leben als Mensch jüdischen Glaubens in Deutschland genommen.
Um die Schicksale der Menschen, darunter ehemalige Petriner, die zu Opfern des Nationalsozialismus wurden, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, setzten sich die Schülerinnen und Schüler der Stufe 8 anlässlich des „Internationalen Holocaustgedenktages“ am 27.01. in den letzten Tagen mit den Themen „Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung“ sowie „Ghettoisierung und Deportationen“ auseinander: „Ich habe erkannt, dass diese Geschehnisse gar nicht wo weit weg von mir sind. Mich hat erschreckt, unter welch schlimmen Bedingungen die Menschen zusammentrieben in den „Judenhäusern“ leben mussten – und das mitten in Recklinghausen!“, wirft eine Schülerin ein. Weitere Schicksale, wie das von Robert Samuelsdorff (Abitur 1900), rufen ebenfalls ungläubiges Kopfschütteln hervor: „Er wurde verhaftet, weil er 15 Kilo Erdbeeren gekauft hatte?“, murmelt ein Schüler. Weiterhin erfährt er, dass Samuelsdorffers Schicksal am 17.09.1942 in euphemistischer Weise als „Suizid durch Erhängen“ durch die Nazis deklariert wurde.
Menschenwürdiger ist da der Hinweis auf den Stolperstein für Samuelsdorff und die Auseinandersetzung mit heutigem Gedenken, wie dem der Gedenktafel auf dem Petriner Schulhof. Gleichwohl es mit Siegfried Strauss (am Petrinum 1903-1906) und Max Moses Fernbach (am Petrinum 1906-1911), auch wortwörtliche Überlebensgeschichten gibt – obgleich durch Zwangsenteignung, Verfolgung und erzwungener Ausreise nicht minder dem NS-Terror ausgesetzt – wird den Jugendlichen deutlich: „Es ist gut, dass wir über diese dunkle Geschichte sprechen. Wir dürfen diesen grausamen Umgang mit Menschen nicht vergessen. Wir können nun nicht mehr sagen, von all dem nichts gewusst zu haben.“
