Recklinghausen und die Hanse: Eine Handelsgeschichte

21. Oct 2025 Zurück zu Aktuelles

Schülerinnen und Schüler haben sich aus Anlass des Westfälischen Hansetags, der im Zeitraum 04.-06.07.2025 inn Recklinghausen stattfand und auch das Petriner Patronatsfest am 05.07.2025 prägte, mit der Hansegeschichte Recklinghausens beschäftigt und die folgenden Ergebnisse zusammengetragen:

Im Mittelalter war Recklinghausen ein bedeutendes Mitglied der Hanse, des einflussreichen Handelsbundes norddeutscher Kaufleute und Städte. Schon kurz nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1236 sind Recklinghäuser Kaufleute in internationalen Handelszentren nachweisbar.

Frühe Kaufleute und ihre internationalen Verbindungen

Einer der ersten bekannten Kaufleute war Konrad von Recklinghausen, der um 1300 als Schiffseigner mit seiner Kogge von Lübeck aus die Ostsee befuhr. Henricus de Ricklengheus war im Englandhandel aktiv, während Johann Riklynghous um 1340 in Lübeck ansässig war. Besonders bemerkenswert ist die Karriere von Heinrich Gremmert, der um 1425 in Nowgorod und Reval (heute Tallinn) tätig war, dort eine einheimische Patriziertochter heiratete und zum Ratsherrn aufstieg.

Hans Regkmann: Vom Recklinghäuser Kaufmann zum Lübecker Chronisten

Ein weiterer bedeutender Sohn der Stadt ist Hans Regkmann, geboren 1494 in Recklinghausen. Er erlernte den Kaufmannsberuf vermutlich in Bergen und war ab 1521 als Lübecker Bergenfahrer tätig. Später ließ er sich in Lübeck nieder und wurde dort Waagemeister an der Niederwaage. Regkmann verfasste zudem eine Chronik, die wertvolle Einblicke in das Handelsleben jener Zeit bietet.

Das Kaufmannshaus Verstege: Ein Zeugnis hanseatischer Architektur

Ein beeindruckendes Relikt aus der Hansezeit ist das Kaufmannshaus Verstege in der Kunibertistraße 14. Dieses dreigeschossige Fachwerkhaus wurde 1558 errichtet und zählt zu den ältesten Bürgerhäusern der Altstadt. Seine Lage an der alten Handelsstraße nach Dortmund machte es zum bevorzugten Sitz wohlhabender Kaufmannsfamilien. Das Gebäude vereint barocke Elemente mit freigelegtem historischem Fachwerk und spiegelt die wirtschaftliche Bedeutung Recklinghausens zu Beginn der Neuzeit wider.

Gravemanns Hof (vgl. Foto)

Dieses Ackerbürger- und Fachwerkhaus wurde 1522 errichtet und zählt zu den ältesten erhaltenen Gebäuden der Stadt. Es befindet sich in der Kunibertistraße und diente einst als Wohn- und Geschäftshaus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. An der rechten Traufwand sind Reste eines zweigeschossigen Nachbarhauses mit Geschossbalken erhalten. Das Gebäude wurde auf dem sogenannten Kampgraben erbaut, welcher Teil einer noch viel älteren Hofanlage war.

Diese beiden Gebäude, der Gravemanns Hof und das Kaufmannshaus Verstege, zeugen von der wirtschaftlichen Entwicklung Recklinghausens während der Hansezeit. Die Hanse prägt als wesentlcher Teil der städtischen Handels- und Wirtschaftsgeschichte bis heute das kulturelle Erbe und Selbstverständnis Recklinghausens als traditionsreiche Hansestadt.

Von: Michael Rembiak