Guten Tag! Hier spricht die Historische Lehrerbibliothek des Petrinum. Geht es bei mir für gewöhnlich ruhiger zu, ist es meist dunkel und hört man nur mal ein kleines Rascheln oder Gedudel aus dem kleinen Radio, begrüßte ich heute (25.02.26) alle Preisträgerinnen und Preisträger nebst ihren Begleitungen im Rahmen von „Paginula Petrina“, dem literarischen Schreibwettbewerb, den die Fachschaft Deutsch seit nunmehr fünf Jahren in den Stufe 6, 8 und Ef ausrichtet. So viele junge Menschen, das bin ich echt nicht gewohnt! Doch nicht nur das – auch musikalisch ging es zu, da Schülerinnen und Schüler der Klasse 05C ihre Instrumente auspackten und nach jeder Stufenprämierung ein munteres Stück spielten!
Im Mittelpunkt standen ganz klar die Texte der jungen Autorinnen und Autoren und alle meine Buchkollegen und ich lauschten gespannt, wie zunächst die Textform der Fabeln von den Jüngsten kreiert worden war. Da gab es eine Begegnung zwischen hochmütigem Hasen und bedächtiger Schildkröte, wobei Letztere das Rennen gewann und Autorin Luisa (06C) damit den dritten Platz belegte. Nur zu gut zeigte uns der zweite Platz: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er längst die Wahrheit spricht.“ Diesen Ausspruch ließ Maximilian (06B) einen jungen Hund spüren, der immer wieder gegenüber seinem Rudel einen gierigen Löwen ausrief, doch die Gefahr seiner lügnerischen Worte zu spät erkannte. Gespannt verfolgten wir die erstplatzierte Fabel von Jule (06A), die – das muss ich anerkennen – sprachlich wunderbar den Streit zwischen Taube und Rabe um ein Stück Fleisch entfaltete.
Doch beide mussten das Nachsehen haben, denn die stolze Katze griff zu und freute sich als Dritte im Bunde über die stibitzte Mahlzeit. Um eine neue Freundschaft, ein abwechslungsreiches Abenteuer an und auf einem See rund um ein mysteriöses U-Boot ging es in dem drittplatzierten Text in der Stufe 8, der von Antonia (08B) stammte. Wir Zuhörenden waren ganz gespannt, welche Herausforderungen sich die beiden jungen Protagonisten als Nächstes stellen mussten… Diese Stille der Aufmerksamkeit gefiel mir übrigens auch richtig gut. Marits (08A) Text auf dem zweiten Platz verlangte mir ein wenig Phantasie ab, denn das Wesen der Freundschaft bestand darin, dass jede Person einen Rucksack mit Zuneigung, Zeit und Vertrauen trägt, die in sorgsamem Geben und Nehmen austariert werden müssen, damit kein Rucksack leer bleibt, keiner überladen ist und die Freundschaft Bestand hat. „Farben seiner Worte“ lautete der Titel des erstplatzierten Textes von Charlotte (08C): Eine Freundschaft, die einer erblindenden Person die Welt durch die anschaulichen und eindrücklichen Worte ihres Freundes sehen und erleben lässt, war in einem sprachlich sehr ansprechenden inneren Monolog gestaltet.
Die poetische Form des drittplatzierten Textes in der Stufe Ef spiegelte uns einen Gedankenstrom wider: Schauplatz dieser Gedanken war eine Beziehung – eine Liebesbeziehung? Oder doch eine innige Freundschaft? Die sprachliche Darbietung dieser Komplexität war Nawrass sehr gelungen. Ebenfalls dem Thema „Hallo, versteht mich irgendjemand?“ widmete sich Meryem, deren jugendlicher Protagonist sich gedanklich nach Kommunikation auf Augenhöhe, nach Verständnis und freiem Selbstwertgefühl sehnt. Wahrlich ein schöner zweiter Platz!
Zum erstplatzierten Text „In a Nutshell“ hörte ich von der Jury, dass sie sich einig gewesen sei: „Diese Worte zu schreiben erfordert besonderen Mut.“ Entfaltet wurde in geschickter Tagebuchform das Innenleben eines jungen Menschen, der sich offenbart und selbstbewusst seine Gedanken formuliert, gleichzeitig verunsichert nach Nähe sucht, Angst vor Zurückweisung hat und wiederum mit feiner Ironie auf sich und sein Umfeld schaut – herzlichen Glückwunsch, Aimee, zu deinen beeindruckenden und wohlgewählten Worten! Mit einem schmucken Foto zwischen meinen Bücherregalen, auf dem die Preisträgerinnen und Preisträger ihre Urkunden hochhielten, deren Papier mich stark an Pergament erinnerte, und dankenswerterweise vom Förderverein des Petrinum gestifteten Buchgutscheinen ging diese anheimelnde Veranstaltung zu Ende.
Schnell erhaschte ich noch einen Blick auf die anerkennenden Worte von Doris Dörrie, die die Urkunden zieren: „Jeder trägt einen unendlichen Schatz in sich, der es wert ist, erzählt zu werden“ – vielleicht auch eines Tages in Form eines Buches, das sich in meinen Regalen wiederfindet…
