Studium Generale Petrinianum Jahrgang V (2025)


Prof. Dr. Karl-Wilhelm Weeber: Panem et Circenses"

„Das alte Rom als politikfernes Sozialstaatsparadies?”

Was ist dran am Mythos der mit Brot und Spielen politisch ruhig gestellten römischen Bevölkerung? War Rom in seiner Blütezeit tatsächlich ein Hort sorglosen Vergnügens? Am Montag, den 26. Mai 2025 gab es dazu eine fundierte Antwort: Prof. Dr. Karl-Wilhelm Weeber, ein renommierter Experte für Alte Geschichte und bekannter Buchautor, referierte im Rahmen der Vortragsreihe „Studium Generale Petrinianum“ über „Panem et Circenses“ als Herrschaftsstrategie der römischen Kaiser.

Die mit „Panem et Circenses“ verbundene und weit verbreitete Vorstellung, dass die einfachen römischen Bürger nicht arbeiten mussten, weil sie vom Kaiser alimentiert wurden, und dass sie mit ständiger öffentlicher Unterhaltung ruhig gestellt wurden, unterzog Prof. Weeber einer kritischen Prüfung. Anhand von Beispielen aus historischen Quellen zeigte er auf, dass die Geschenke der römischen Kaiser keinesfalls ausreichten, um die Bürger zu ernähren. So bekam ein römischer Mann beispielsweise (wenn er überhaupt auf der Liste des Kaisers stand) Getreide für 3.500 Kalorien pro Tag, unabhängig davon, ob er alleinstehend war oder eine große Familie zu ernähren hatte. Dieses Getreide musste aber erst vom Bäcker verarbeitet werden, der dafür bezahlt werden wollte. Auch reichten 3.500 Kalorien bei harter körperlicher Arbeit nicht aus. Erwerbsarbeit war also notwendig, wenn man nicht betteln oder verhungern wollte. Da 85% der Menschen in Rom trotz Erwerbsarbeit am Existenzminimum lebten, konnten sie das Unterhaltungsangebot im Kolosseum oder im Circus Maximus nur ganz selten nutzen, weil sie sich einen arbeitsfreien Tag ohne Lohnfortzahlung in der Regel nicht leisten konnten. Somit bedeuteten „circenses“ seltene Highlights, und „panem“ war allenfalls eine Unterstützung gegen Hunger – die Vorstellung vom römischen Sozialstaatsparadies hingegen ist eine völlig verfehlte Legendenbildung.

Woher aber stammt der Ausdruck „panem et circenses“ überhaupt? Ursprünglich ist es ein Zitat, das Juvenal in seinen Satiren einem Zeitgenossen des Jahres 31 n.Chr. in den Mund gelegt hat, der dem Volk unterstellt, es sei an Politik nicht interessiert und wünsche sich bloß Versorgung und Unterhaltung. Bei „panem et circenses“ handelt es sich also im eigentlichen Zusammenhang um einen Wunsch des Volkes, nicht um die Realität. Grundsätzlich legt schon der Kontext einer Satire nahe, dass es sich dabei um eine Überzeichnung handelt. Außerdem, so Prof. Weeber, habe Juvenal Unrecht, wenn er dem Volk politische Interessenlosigkeit unterstelle. So wurde z.B. bei den Spielen gegen Preissteigerungen protestiert, und der Kaiser beobachtete das Volk genau. Das römische Volk stellte lediglich seine Grundbedürfnisse in der Politik in den Vordergrund.

Der Mythos vom faulen einfachen Volk in Rom war nach dem Vortrag entzaubert. Die einzigen, so beendete Prof. Weeber seine Ausführungen, die im alten Rom nicht arbeiten mussten und sich oft unterhalten lassen konnten, waren Vertreter der Oberschicht. Die Legende von „Panem et circenses“ wird freilich weiterleben, auch wenn sie ein falsches Bild von der römischen Gesellschaft vermittelt.

Prof. Dr. Ferdinand Stebner: Lernen der Zukunft

„Selbstreguliertes Lernen als Schlüssel zum Erfolg?”

Am 05.11.2025 begrüßten wir im Zuge unserer Reihe zum "Studium Generale Petrinianum" Herrn Prof. Dr. Ferdinand Stebner. Herr Stebner, ein ehemaliger Freiherr-vom-Stein-Schüler, empfand das Dasein am gestrigen Abend bei uns "krass cool" und trotz der Widrigkeiten der Aulafindung gelingt ihm der Vortrag über das "Lernen der Zukunft" unterhaltsam und zum Nachdenken anregend. Orientiert an u.a El-Mafaalani beschäftigt sich Stebner damit, wie wir Kinder auf eine ungewisse Zukunft vorbereiten können und inwiefern Schule als Erfahrungsraum im Zeitalter eines Paradigmenwechsels eine Chance bieten kann.

Humoristisch und sprachlich für die vielen an diesem Vortragsabend anwesenden Schülerinnen und Schülern angenehm gestaltet, zeigte er uns den "Spagat" zwischen Individuation und Anpassung, der letztendlich wahrscheinlich eine Fokussierung zum Selbstregulierten Lernen erfordert. Die Zukunft des Lernens kann nicht nur Schwarz oder Weiß gesehen werden, SRL als eine Kompetenz, die nicht nur wichtig für das Lernen, sondern für die Gesellschaft ist.

Die Fachschaft Sozialwissenschaften dankt Herrn Prof. Dr. Stebner für einen interessanten Abend, der gedanklich nachwirkt.